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GEO-Blogging: Wie schwierig ist der Einbau von Geo-Tagging?

Wie schwierig ist es, GEO-Tagging in ein bestehendes CMS/Blog-System einzubauen?

Als das Portal der WAZ-Gruppe Der Westen vor ein paar Wochen startete, hielt ich das darauf verwendete Geotagging für das eigentlich Innovative und Schicke daran. Meine Meinung über die Qualität der Implementierung des Geotagging war allerdings wenig schmeichelhaft.

Trotzdem beschäftigt mich seit dem die Frage, wie viel Aufwand es für einen Entwickler wohl wäre, Geo-Tagging in ein bestehendes System einzubauen.

Was lag also näher, als einfach mal einen Test zu machen und Geo-Tagging Funktionen in dieses Blog (und das dem Blog zugrunde liegende CMS) einzubauen? Und weil das eine rhetorische Frage war, habe ich es dann einfach mal eingebaut.

Für die Ungeduldigen hier der Zeitaufwand in Kürze:
  • Lesen von Online-Doku (ich hatte mich vorher nicht mit Geo-Tagging beschäftigt): 4 Stunden
  • Prototyp erstellen und damit experimentieren: 2 Stunden
  • CMS-Datenbank um Geo-Objekte erweitern: 0,5 Stunden
  • Backend (interner Verwaltungsbereich) Eingabemöglichkeit von Geo-Objekten erstellen: 2 Stunden
  • CMS-Vorlagen(Templates) für die Anzeige in der rechten Spalte und auf der Kartenübersicht erstellen: 1 Stunde
  • RSS-Feed und Seiten-Header um GEO-Elemente erweitern: 0,5 Stunden
  • Sechs GEO-Objekte erzeugen und einigen bereits vorhandenen Artikeln zuordnen: 5 Minuten

Alles in allem hat es also gerade einmal 10 Stunden (Tests sind darin natürlich enthalten) für diese "Von Null auf 100" Vorgehensweise gedauert.

Als Lieferant der Kartendaten und zur Ermittlung der Längen-/Breitengrade habe ich Yahoo-Maps verwendet. Am meisten Verbreitung und am längsten vorhanden ist sicherlich Google-Maps. DerWesten verwendet einen Dienst von KlickTel.

Die Anzeige ist aber bewusst noch einfach gehalten. Bei einem geocodierten Artikel (z.B. bei dem Artikel zu der Kinderkanzlei Castrop-Rauxel) erscheint in der rechten Spalte eine kleine Karte der verlinkten Position. Zusätzlich gibt es eine Übersicht der Geo-Objekte auf einer Übersichtskarte. Wie üblich mit Verschiebe- und Zoomfunktion.

Egal wie gut die Kartenanzeige auf der eigenen Seite auch sein mag, als guter Netzbürger sollte man die Geo-Daten Anderen (z.B. für Mash-Ups und weitergehende Dienste) automatisch lesbar zugänglich machen.

Das erreicht ziemlich einfach, in dem man spezielle Felder in den Seitenheader ...
name='geo.position' content='51.547549;7.310015'
name='ICBM' content='51.547549,7.310015'

... und auch in den RSS-Feed ...
51.552156 7.309653

51.552156
7.309653


... durch das CMS/Blog System automatisch einfügen lässt. Die Längen- und Breitengrade sind hier in mehreren Formaten wiedergegeben, um maximale Kompatibilität mit den unterschiedlichsten Geo-Tools sicherzustellen.

Mein Fazit: Der Aufwand war mit 10 Stunden, von denen mehr als die Hälfte aus Lernen und Testen bestanden, wesentlich geringer als ich das vermutet hätte. Das kann man natürlich nicht für jedes Blog und jedes CMS verallgemeinern. Ebenso kann man in die Funktionen der interaktiven Kartendarstellung natürlich noch viel mehr Zeit hineinstecken.

Doch als Test sind die Funktionen ersteinmal ausreichend um Geotagging in diesem Blog zu nutzen.

Ach ja, und zum Schluss noch eine Anekdote zu Geokoordinaten: Der oben im Seitenheader vorkommende Name "ICBM" stammt als Abkürzung von "inter continental ballistic missile" - also ballistischen Langstreckenraketen zum Transport von Nuklearsprengköpfen. Der Hintergrund: Vor vielen Jahren (in einer Zeit noch vor dem Internet) gab es bereits im damaligen Usenet das Bestreben, die einzelnen Teilnehmerrechner geographisch darzustellen. Und weil es die Zeit des kalten Krieges war, nannte man diese Koordinaten sarkastisch "ICBM address".

In diesem Sinne: Don't shoot ICBM address: 51.556556 N, 7.300501 W


Geschrieben von af in Web Design am: Montag, 3. Dezember 2007
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Kommentare
  • Ralf Dienstag, 4. Dezember 2007, 00:08 Uhr
    Für WordPress gibt es ein wunderbares Plugin welches alle Funktionen bietet die man sich vorstellen kann. So kann man sogar Fotos auf der Karte platzieren.
    darauf gekommen bin ich dadurch das ich für WordPress eben solch ein Plugin basteln wollte, bis dahin aber keins gefunden hatte. Erst während er Entwickelung bin ich auf das andere Plugin gestoßen.

    Mein Zeitansatz lag so bei ca. 20 Stunden mit allem Drum&Dran. Also vom Einlesen wie man die Google-Api bedient, über das erstellen des Plugins bis hin zu einer halbwegs finalen Version welche auch die Daten in den RSS-Feed packt. Wobei letzteres wohl mit am meisten Zeit verschlang da es dazu noch keine Spezifikationen gibt. Alles was derzeit verwendet wird, ist quasi inoffizieller Standard.

    Aber mal ehrlich, was soll Geo-Tagging bringen? Vor allem auf einer lokalen Plattform?
    Entwedre ich interessiere mich für die lokalen Nachrichten, dann sollte ich mich auch halbwegs in der Lokalität auskennen.
    Oder aber ich komme von wo ganz anders wech, dann interessiert es mich aber wahrscheinlich auch Null&Nix ob in Klein Raupelsdorf ein Bus nen Sack Reis umgefahren hat.

    Geo-Tagging macht wirklich nur Sinn auf Plattformen wie Qype. Um Orte zu empfehlen die man noch nicht kennt. Und vor allem, die man gerne mal sehen möchte. Mich interessiert es zwar ob an der XY-Straße schon wieder ein schwerer Unfall geschehen ist, es interessiert mich allerdings eher weniger wie ich da hinkomme.
  • Andreas F. Mittwoch, 5. Dezember 2007, 08:41 Uhr
    Es gibt verschiedene Sichtweisen, welchen Sinn und Nutzen Geo-Informationen haben könnten. Neue Ort kennenzulernen, die man noch nicht kennt, ist sicherlich eine davon - aber nicht die einzige. Genauso konnte man wissen wollen "Was passiert gerade in meiner Umgebung/Stadtviertel/Region?" - auch dafür ist Geo-Tagging sinnvoll.

    Und Geo-Tagging ist auch nicht nur sinnvoll für die vermeintlich "großen" Plattformen wie z.B. flickr. Denn per META-Informationen und GEO-RSS können Aggregatoren/Mashups die GEO-Informationen von vielen kleinen Plattformen/Blogs sammeln um diese übergreifend darzustellen und nutzbar zu machen. In diesem Bereich wird sicherlich noch einiges Neues auf uns zu kommen.
  • Jens Sonntag, 9. Dezember 2007, 00:50 Uhr
    @Ralf:
    Wie heißt das Plugin denn?
  • Ralf Sonntag, 9. Dezember 2007, 12:03 Uhr
    @Jens: Das englische original nennt sich GeoPress (http://www.georss.org/geopress/). Ich hatte mal eine deutsche Übersetzung dafür angefertigt (http://unterderhaube.neun12.de/artikel-6)

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