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Mitleid mit Bankern?

Es ist dieser Tage ziemlich einfach, mit Geschäftspartnern ein längeres Gespräch anzufangen: Man braucht nur mal beiläufig die aktuellen Aktienkurse zu erwähnen.

Entweder man bekommt die fröhliche Antwort "Ich habe gar keine Aktien" oder aber es entwickelt sich ein längeres Gespräch, bei dem nicht selten der Satz "Ich hätte damals bei 8000 (damit ist der DAX-Kurs gemeint) verkaufen sollen"

Aber nach dem anfänglichen Frohlocken oder Jammern und Wehklagen über die persönlichen Finanzen, zeigt sich dann meist die gleiche, überlegtere Sichtweise der Finanzkrise:

Ein paar größenwahnsinnige und gierige Banker haben sich mit hoch riskanten Luftnummern verzockt. Irgendwann platzt solch eine Blase halt. Und weil die gesamte Banken-Branche über Jahre diese Risiken systematisch verheimlicht hat (und zum Beispiel alles dafür getan hat, damit diese möglichst nicht in den eigenen Bilanzen auftauchen und öffentlich werden), traut nun kein Banker mehr dem Anderen, weil er vermutet, dass die Anderen das genauso gemacht haben, wie er selbst.

Diese Entwicklung hat jetzt in den letzten Tagen dazu geführt, das viele Banker und Börsenspekulanten in panischer Angst, wie bei einer Stampede, Ihre Aktien und Papiere verkaufen, koste es was es wolle, nur um Liquidität und einen gewissen Bestand zu behalten um kurzfristigen Verpflichtungen decken zu können. Dieses Überangebot an Verkaufswilligen treibt den Aktienkurs zu immer neuen dramatischen Tiefstständen. Hat aber meist wenig mit dem tatsächlichen Firmenwerten der zu den Aktion gehörenden Firmen zu tun.

Die Wirtschaft ist davon kaum betroffen. Es ist eben keine Wirtschaftskrise sondern eine Banken- und Börsenkrise eines Bereiches, die sich bisher fast völlig von der realen Wirtschaft abgekoppelt hatte, und auch auf die reale Wirtschaft (mit Ausnahme des Bankensektors) kaum negative Auswirkungen haben wird.

Zumindest solange nicht, wie sich diese Panik nicht auf "normale" Unternehmen und Verbraucher ausweitet. Das ist das einzige Risiko dieser Krise.

Soll man jetzt mit den Bankern und Spekulanten, die diese Krise nicht nur verursacht haben, sondern durch ihr gegenseitiges Misstrauen und ihre Angst weiter verschlimmern, Mitleid haben?

Die Antwort aller meiner Gesprächspartner dazu ist eindeutig: Nein!


Geschrieben von af in Ceterum am: Freitag, 10. Oktober 2008
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Kommentare
  • Ralf Albert Samstag, 11. Oktober 2008, 20:56 Uhr
    Du vergisst aber eins: Firmen leihen sich Geld bei den Banken um neue Maschinen kaufen zu können. Sie bekommen eher Geld, wenn sie ein dickes Aktienpaket als Sicherheit hinterlegen können. Ist das Aktienpaket plötzlich nichts mehr wert, gibt es auch kein neues Geld. Schlimmer noch, laufende Kredite sind plötzlich in "Gefahr" weil die Sicherheiten nicht mehr da sind.
    Und das war ja auch einer der Auslöser für die Krise. Die Häuser der Amerikaner sind alle noch da. Nur sind sie jetzt nicht mehr so viel wert. Also droht der Kredit zu platzen, obwohl die Schuldner eigentlich noch weiter bezahlen könnten.
    Bei den Firmen sieht es ähnlich aus. Eigentlich hat sich ja nichts geändert, nur das die Banken nun meinen die Firmen (genauer gesagt deren Aktien) seien weniger wert. Also gibt es auch keine Kredite mehr. Keine Kredite bedeuten kein Geld. Kein Geld bedeutet kein Umsatz für die Firmen, die Maschinen herstellen.
    Die Krise wird sich also auch auf kleine Unternehmen auswirken, selbst wenn sie nur Schrauben herstellen. Denn wenn keine Maschinen verkauft werden weil das Geld fehlt, dann werden auch keine Schrauben gebraucht um Maschinen zu bauen. Und dann geht es auch den kleinen Unternehmen an den Kragen. Es dauert halt nur länger bis die Krise bei den kleinen Unternehmen angekommen ist.
  • Andreas Sonntag, 12. Oktober 2008, 15:06 Uhr
    Der große Teil der kleinen und mittelständischen Industrieunternehmen in Deutschland sind keine Aktiengesellschaften (und erst recht keine an der Börse gehandelte Aktiengesellschaften) und müssen sich seit 2007 (ca.) sowieso schon bei der Kreditvergabe den relativ strengen Basel-II Ratings unterziehen. Daher vermute ich, dass bei diesen ein eher verschwindend kleiner Teil der für Kredite relevanten Sicherheiten aus Aktien (Eigenen oder Fremden) besteht.

    Natürlich werden einzelne Firmen Kreditprobleme bekommen (oder haben). Das wird in Zukunft ja nicht anders als in der Vergangenheit sein. Aber ich erwarte kein generelles Kreditproblem bei der deutschen mittelständischen Wirtschaft.

    Die Banken haben ja auch (von einzelnen Banken und Bankern mal abgesehen) jetzt keine generelle Angst an die (recht gut mit Basel-II durchleuchteten) Industrierunternehmen Kredite zu vergeben, sondern an andere Banken (die alles daran getan haben ihre Risiken zu verschleiern).

    Bei der Immobilienkrise in den USA war der Wertverlust der Häuser nicht die Ursache, sondern eine Wirkung/Folge derselben.

    Das Risiko für die Wirtschaft in Deutschland durch aus Angst weniger kaufende Konsumenten und verzögerte Investitionen halte ich für größer als das Kreditrisiko.

    Genau darauf (Beruhigung, Vertrauen schaffen) zielen jetzt ja auch viele staatliche Maßnahmen.


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