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Abwrackprämie frisst Hirn

Als Ende letzten Jahres die Einführung der "Abwrackprämie" (die offiziell so nicht heisst) in Deutschland diskutiert wurde, überlegte ich, ob wir unseren etwas biederen Spruch "Wir renovieren Ihre Webseiten, machen Sie Ihre Webseiten vom Kostenfaktor zum Erfolgsfaktor" nicht auch etwas aufpeppen sollten zu "Abrackprämie für veraltete Websites" (so in der Art, etwa).

Mir wurde dringend davon abgeraten, es sei zu unseriös, und ich würde damit nur die Schnäppchenjäger und Billigheimer ansprechen, die dann auch später alles umsonst wollten, und nicht gewohnt seien, für gute Arbeit auch gutes Geld zu zahlen.

Die Abwrackprämie kam dann auch schnell ins negative Gerede. Kritiker führten an, es würde nichts bringen, weil die Prämie sich an die falsche Zielgruppe, Besitzer älterer PKW mit geringem Restwert, richte, die meist niedrigere Einkommen und daher nicht das Geld für Neuwagen hätten und deshalb die Prämie nicht nutzen würden.

Also habe ich es dann bleiben lassen, und mit www.ruhr.net die ursprüngliche Idee weiter verfolgt.

Letzte Woche besuchte mich ein Ex-Kollege und wir sprachen über die guten alten Zeiten und damit auch über Biodata, die unseren Firewall unter eigenem Namen vermarkteten, und dann damit (als Hauptprodukt IMO) in Deuschland einen fulminanten Börsengang hinlegten. So kam Biodata, als immer noch relativ kleine Firma, vom Börsenwert her, eine Zeit lang in die Nähe des Volkswagen Konzerns. Eigentlich ein Wahnsinn, wie der gesamte Börsenboom damals.

Das hielt allerdings nicht lange an, denn jede Blase platzt irgendwann und heisse Luft kühlt sich auch wieder ab.

Später hat dann jemand über den Aufstieg und Fall von Biodata und des Biodata Gründers einen Film mit dem Titel "Gier frisst Hirn" gedreht. Ich finde den Titel sehr passend.

"Gier frisst Hirn" kann man auch schön als Überschrift für die aktuelle Banken und Wirtschaftskrise nehmen. So, als hätte man nichts aus dem früheren "New Media Börsencrash" zum Jahrhundertwechsel und vielen anderen Börsencrashs davon gelernt, wurde der Aufschwung und ein weiterer Börsenboom durch billige Kredite und dadurch auf Pump gekauften Immobilien in den USA erkauft. Und es wurde letzten Endes dadurch mehr Schaden angerichtet, als vorher da war.

Doch jetzt wieder zurück zur Abwrackprämie. Wie vermutlich jeder weiss, hat diese tatsächlich einen richtigen Boom bei den Neuwagenverkäufern von Kleinwagen ausgelöst. Lieferengpässe und lange Lieferfristen, die es jetzt gibt, konnte sich Ende letzten Jahres bestimmt niemand in der KFZ-Industrie vorstellen.

Also ein voller Erfolg? Endlich macht der Staat etwas, was die Bürger gerne annehmen? Haben sich die Kritiker geirrt?

Ja selbst der US amerikanische Präsident will die Abwrackprämie (unter anderem Namen, sie wird also wohl nicht wie z.B. die Worte Kindergarten, Waldsterben und Blitzkrieg Einzug in die englische Sprache nehmen) als erfolgreiche Idee in den USA umsetzen.

Die Kritiker scheinen sich tatsächlich in einer Sache geirrt zu haben. Den die KFZ-Besitzer mit niedrigen Einkommen, die sich eigentlich keinen Neuwagen leisten könnten, gehören anscheinend zu den Hauptnutzern der Abwrackprämie.

Die Vorstellung, etwas (vom Staat) geschenkt zu bekommen, scheint das vernünftige Denken auszuschalten. So berichten Gebrauchtwagenhändler/Verwerter, dass auch Fahrzeuge "abgewrackt" werden, deren tatsächlicher Restwert noch weit oberhalb des Betrages der Abwrackprämie liegt. Und selbst wenn man diesen "abwrackern" dann den höheren Betrag als Kaufpreis anbieten würde, würden sie doch lieber den niedrigeren Betrag der Abwrackprämie auswählen, weil es ja "Geld vom Staat" sei.

Auf der anderen Seite werden die Neufahrzeuge meist auf Pump gekauft - mit der Abwrackprämie als Anzahlung. Auch hier scheint das vernünftige Denken ausgeschaltet zu sein, denn an die (über Jahre) noch folgenden monatlichen Belastungen, wird kaum gedacht, man bekommt vom Statt Geld geschenkt und "kauft" damit ein Auto. Das muss man doch einfach nutzen. Auch wenn man es sich eigentlich nicht leisten kann.

Ich höre jetzt immer öfter, dass die Abwrackprämie fatal ist, weil sie die Menschen verführt und massenhaft in die Überschuldung treibt und die nächste Welle mit Privatinsolvenzen nur noch eine Frage der Zeit ist.

Ist also der momentane Klein-Neuwagenboom auch eine "Finanz-Blase" die in Zukunft platzen wird?

Menschen werden vom Staat dazu verleitet sich große/teure Sachen auf Pump anzuschaffen, die sich sich gar nicht leisten können und lösen so einen (begrenzten) Wirtschaftsboom aus.

Die Grössenordnungen mögen unterschiedlich sein, aber genauso fing es in den USA mit dem "Immobilienboom" an.

Ich weiss nicht, ob es so oder ganz anders kommt. Aber eines weiss ich ganz gewiss: Die Abwrackprämie schaltet bei vielen das vernünftige Denken ab und "frisst ihr Hirn".


Geschrieben von af in Ceterum am: Montag, 11. Mai 2009
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Kommentare
  • Sven Montag, 11. Mai 2009, 16:19 Uhr
  • Sven Montag, 11. Mai 2009, 16:20 Uhr
    2. Versuch:
    der Link zu www.ruhr.net ist falsch.

    Kleiner test (filterst Du keine html tags?):
    abcd

  • Ralf Montag, 11. Mai 2009, 17:18 Uhr
    So ganz richtig ist das mit der Abwrackprämie nicht. Zu der Abwrackprämie kommen i.d.R. noch satte Rabatte. Die Abwrackprämie alleine würde wohl wesentlich weniger Käufer in die Autohäuser locken. Aber da viele Hersteller zu den 2.500 Euro nochmal den gleichen Betrag als Rabatt geben, dann in manchen Fällen sogar noch einmal ein Hausrabatt gegeben wird, ist es klar das der Absatz derzeit brummt. Ein Neuwagen ist derzeit so günstig zu haben wie seit 20 Jahren nicht mehr.
    Die Abwrackprämie war auch nicht dazu gedacht Leuten Autos zu finanzieren die sich keine leisten können, dazu ist sie ja auch viel zu gering (im Durchschnitt 10% vom Listenpreis). Sie sollte die unentschlossenen dazu bewegen doch noch ein Auto zu kaufen. Denn wenn das Wort Krise fällt, halten viele ihr Geld zusammen. Dies ist natürlich der Todesstoß für die Wirtschaft. Also gibt man Kaufanreize.
    Solche Kaufanreize gab es früher schon. Zum Beispiel Steuerersparnis für Umweltfreundliche Autos. Steuernachlässe beim Nachrüsten eines Kats. Wohnungsbauprämie, usw. usf.

    Das nun viele sich ein Auto kaufen obwohl sie es sich eigentlich nicht leisten können, finde ich auch sehr weit her geholt. Autos werden i.d.R. immer finanziert. Es ist eher die Ausnahme das jemand ein Auto gleich in voller Höhe bezahlt. Und deswegen ist die Autoindustrie mit eine der Schlüsselindustrien. Denn von den Autokäufern profitieren wiederum die Banken.
    Aber mal ehrlich, was wird heutzutage nicht auf Pump gekauft? Ich habe ja selbst meine Brille auf "Pump" gekauft. So gesehen sind die vielen Angebote der Elektronikmärkte wesentlich gefährlicher. Denn da ist immer der Eindruck dabei das es ja nur ein paar Euro sind. Aber hier ein paar Euro, da ein paar Euro. Zack ist man in der Schuldenfalle drin.

    Ich hätte es aber auch besser gefunden wenn es z.B. für jede Anschaffung über 2.500 Euro einen staatlichen Zuschuss in Höhe von 10% (max. 2.500 Euro) gegeben hätte. So wäre vielleicht auch der Absatz in anderen Branchen nach oben geschnellt.
  • Andreas Montag, 11. Mai 2009, 18:38 Uhr
    Sven: Danke für den Hinweis. Ja, HTML wird in den Kommentaren komplett rausgefiltert.

    Ralf: Ich meine nicht grundsätzlich, dass "auf Pump" generell schlecht ist, aber das Verhältnis zwischen dem eigenem Geld welches man ausgibt, und dem Preis von dem was man kauft sollte stimmen. Wenn bei einer Firma die "Eigentkapitalquote" (also eigenes zu fremden, gepumpten Geld) nicht stimmt, kann eine Firma auch schneller in finanzielle Schieflage / Überschuldung geraten, als wenn sie ein gutes eigenes Finanzpolster hat.

    So ähnlich sehe ich das jetzt mit den Kaufanreizen beim Autokauf, denen auch besonders die erliegen, die sich eigentlich gar keinen Neuwagen hätten (auch mit Prämie und Rabatten) leisten können und dadurch früher oder später in die Schuldenfalle geraten.

    Das "besondere" der Abwrackprämie gegenüber anderen Kaufanreizen ist ja ihr phänomenaler Erfolg (im Sinne einer extrem hohen Nutzung), der aber auch leider Leute mitreisst, die es sich eigentlich nicht leisten können.

  • Ralf Montag, 11. Mai 2009, 21:57 Uhr
    Das sich viele durch ein Autokauf in die Schuldenfalle begeben sehe ich aus zwei Gründen als sehr weit hergeholt an:
    1. Es handelt sich um eine relativ hohe Summe die von _einer_ Bank finanziert wird. Diese Bank wird deine finanziellen Verhältnisse genau prüfen und dann entweder zu- oder absagen.
    Wenn du nur 1.000 Euro Nettoeinkommen hast, wirst du aller Wahrscheinlichkeit nach trotz Abwrackprämie kein Auto für 25.000 Euro finanziert bekommen.
    2. Selbst wenn du eine Finanzierung bekommst, ist die Gefahr in die Schuldenfalle zu geraten deutlich geringer als bei einem Sack voll Kleinkrediten. Das Auto hat einen gewissen Restwert. Nehmen wir einen Wertverlust von 40% in 2 Jahren an. Dann könntest du mit einem sofortigen Verkauf immer noch 50-60% der Kreditsumme tilgen. Zudem Zahlst du ja innerhalb der 2 Jahre auch noch Raten, so dass die Restschuld (also das Geld das noch offen ist) relativ gering ist.

    So gesehen ist ein Autokredit eher "risikolos". Natürlich kann der Markt für Gebrauchtfahrzeuge zusammenbrechen, kannst du krank werden usw. Dennoch ist ein großer Teil der Kreditsumme abgedeckt, die Schuldenfalle also relativ weit weg.

    Anders sieht es aus wenn jemand 10, 20 oder mehr Kleinkredite aufnimmt. Jeder Kleinkredit wird von einer anderen Bank vergeben, aufgrund der niedrigen Beträge wird auch nicht so gründlich geprüft. Normalerweise gibt es immer eine Zusage. Meistens reicht die Vorlage einer EC-Karte um einen Kredit bis 400 Euro zu bekommen.
    Aber 20 mal 1.000 Euro sind auch 20.000 Euro. Jedoch ist jeder gekaufte Gegenstand recht schnell sehr wertlos. Die Restschuld ist also weder abgesichert noch lässt sie sich durch den Verkauf der gekauften Gegenstände nennenswert mindern.

    Die wenigsten Menschen geraten durch den Kauf eines Neuwagens in die Schuldenfalle. Da müssen schon viele unglückliche Umstände zusammen kommen.
    Meistens sind es viele kleine Beträge die sich summieren und sich auch nicht durch Verkäufe tilgen lassen.

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