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Werbung auf Blogs: Mögliche Ursachen der Kritik.

Eigentlich dachte ich ja, das Thema verschwindet so schnell wieder, wie es auftaucht. Aber die Diskussion über Werbung auf deutschen (deutschsprachigen) Blogs scheint ein Dauerbrenner zu bleiben. Woran könnte das liegen?

Werbung wird als störend oft empfunden

Ein Punkt ist sicherlich, dass Menschen gegenüber Werbung immer überdrüssiger werden und sie immer mehr als Störfaktor empfinden. Ein Beispiel: Fernsehwerbung wird als besonders störend genannt. Bestimmt hat sich jeder schon mal über die Werbeunterbrechung eines Filmes im Fernsehen geärgert, und über die in der Werbepause dann folgende meist etwas dümmliche Werbung.

Websites folgen gleich an zweiter Stelle in der "Belästigungsreihenfolge". Wer hat sich noch nicht über die nervigen Pop-ups und Slide-ins der um Aufmerksamkeit heischenden Werbe Einblendungen auf Websites geärgert?

Werbung wird in solchen Fällen immer öfter als Störung und Belästigung eingestuft und das Umfeld der Werbung wird dadurch in der Sicht des Zuschauers/Besuchers deutlich abgewertet.

Ein Blog, welches aber bisher ohne Werbung auskam, und nun plötzlich seine Besucher mit Werbung konfrontiert, wird dadurch unweigerlich einige dieser Besucher vergraulen und verärgern. Weil Sie nun "auch dort" mit Werbung belästigt werden, und das Blog sich damit verschlechtert, nur weil der Betreiber mit Werbung auf Kosten der Leser/Community "abkassieren" will.

Die Lorbeeren anderer Leute nehmen und damit abkassieren

Beim Antville-Blog lese ich:
Als ich gegen Ende der 80er darüber nachdachte, wie und wo ich Texte veröffentlichen konnte, da war der Einstieg klar: man fing an für Fanzines zu schreiben. Ohne Geld, aber mit viel Enthusiasmus. ( ... )
( ... ) aber insgesamt gesehen, war man sich einig, dass man nicht auf Dauer bei einem Fanzine schreiben wollte, weil man irgendwann ja auch mal Geld verdienen wollte. Der Schritt, weg vom Fanzine, hin zu einem bezahlten Artikel in irgendeinem Magazin wurde damals allenthalben mit großer Freude und ein wenig Neid begrüßt. Gedanken darüber, dass man deswegen die Fanzine Kultur verraten würde, machte sich keiner.

Das deckt sich mit meiner Erfahrung in diesem und anderen Bereichen z.B. bei der Kommerzialisierung des Internets.

Der Kern der Aussage: Nicht das Geldverdienen an sich entzündet die meiste Kritik, sondern die Kommerzialisierung eines ehemals nichtkommerziellen Projektes.

In den Anfangstagen des Internets regte sich die meiste Kritik gegen diejenigen vormals nichtkommerziellen Provider, die ihre privaten "User" einfach zu (zahlenden) "Kunden" machten. Aber kaum gegen die, die neue und unabhängige kommerzielle Provider gründeten.

Der Grund scheint darin zu liegen, dass bei einem nichtkommerziellem Projekt viele aus ideellen Gründen mithelfen, und wenn dieses Projekt dann kommerzialisiert wird, fühlen die Helfer aus dieser "Community" (egal wie viel sie tatsächlich zum Erfolg geholfen haben) sich selbst und die durch die Kommerzialisierung nicht mehr gleichen Ideale dieses Projektes verraten.

Bezogen auf ein Blog: Wenn ein Blog-Betreiber mit dem Bloggen Geld verdienen möchte, sollte er nicht sein bestehendes bisher nicht-kommerzielles Blog durch Werbung kommerzialisieren, sondern ein davon unabhängiges neues und von Anfang an kommerzielles Blog-Projekt starten.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

Der am meisten in den bisherigen Diskussionen durchgekaute, und der deswegen hier am kürzesten abgehandelte Kritikpunkt. Wahre dauerhafte geistige Unabhängigkeit kann nur durch auch finanzielle Unabhängigkeit gesichert werden. Um Werbekunden nicht zu vergraulen, und um mehr Besucher ( also Werbeeinnahmen) zu erhalten, verändert sich die Ehrlichkeit, Qualität und Machart der sich kommerzialisierenden Blogs zum schlechteren. So die Vermutungen. Die Erfahrung zeigt, daß solche Vermutungen nicht immer unbegründet sind. Auch jetzt scheint es schon Blogger zu geben, die es legitim finden, ihre (Werbe-)Kunden zu belügen, weil "es ja jeder so macht und sie damit rechnen".


Geschrieben von af in Ceterum am: Mittwoch, 28. März 2007
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