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IAB Studie: Deutsche gründen oft nur aus wirtschaftlicher Not

In der Schule hiess es, ich hätte ein Autoritätsproblem. Im Studium wurde es mir irgendwann zu langweilig, mich passiv berieseln zu lassen. Ich wollte viel lieber selber etwas schaffen, unternehmen, und eigene Ideen verwirklichen. Auch wenn es mir selbst damals noch nicht so bewusst war: Geistige und wirtschaftliche Unabhängigkeit war eine wesentliche Triebfeder meines Handelns.

Seit dem habe ich einige Firmenchefs, Unternehmer und Manager kennengelernt. Dabei habe ich bemerkt, dass vielen Unternehmern der Drang nach Verwirklichung der eigenen Ideen und nach Unabhängigkeit gemein ist.

Hin und wieder höre ich aber von Gründern, die eher aus einer wirtschaftlichen Notlage heraus die Flucht in die Selbstständigkeit antreten, und darin ihre letzte Chance sehen. Ein aktuelles Beispiel: Einige Blogger versuchen jetzt verstärkt mit ihren Blogs Geld zu verdienen, weil sie glauben, dies sei ihr letzter Strohhalm und die einzige Alternative dazu wäre Arbeitslosigkeit.

Dazu passt die jetzt vom IAB vorgestellte Studie Existenzgründungen in Deutschland. Deutsche machen sich nicht nur deutlich seltener selbstständig als Bürger anderer Länder, sondern sie gründen auch öfter aus wirtschaftlichen Notlagen heraus, statt aufgrund von eigenen Ideen und dem Willen zur Unabhängigkeit. Sie fühlen sich öfter von Aussen "getrieben". Und das, obwohl Deutschland bei dem rechtlichem und wirtschaftlichem Umfeld und der Förderung auf Platz eins im internationalen Vergleich liegt.
  • 4,2% aller Erwachsenen in Deutschland sind seit kurzem Selbstständig, oder streben dies an. Das ist Rang 37 im internationalen Vergleich.
  • Drei von zehn Gründern in 2006 gaben an, die Furcht vor der Arbeitslosigkeit seit die Triebfeder ihres Handelns. In den Ländern mit vergleichbarer Entwicklungsstufe ist es nur einer von zehn.
  • Gründungen bei denen die Furcht vor Arbeitslosigkeit eine Rolle spielt, treten stärker in Ostdeutschland, bei Frauen und bei gering qualifizierten Gründern auf
  • Nur ein fünftel der befragten Personen zwischen 18-64 Jahren schätzen die Gründungschancen in den nächsten 6 Monaten als positiv ein. Damit ist Deutschland weit abgeschlagen. Nur in 4 Staaten sind die Befragten noch pessimistischer als in Deutschland.


Liegt es an den Gründern oder der Arbeitsmarktpolitik? Vermutlich an letzterer. Die Politik hat in der Vergangenheit immer wieder die Selbstständigkeit als Weg aus der Arbeitslosigkeit propagiert. Damit setzt sich die Selbstständigkeit nicht als positive Chance zur Unabhängigkeit in den Köpfen fest, sondern negativ besetzt als "letzter Strohhalm".


Geschrieben von af in Ceterum am: Donnerstag, 29. März 2007
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